4. Dezember 2014

Mehr Mut, bitte! Dieses Geklöne ist ja nicht auszuhalten

Was mir an der aktuellen Diskussion über die Zukunft des Journalismus am meisten auf den Sack geht ist: Jetzt seid doch mal ein bisschen optimistischer! Diese ewige Nörgelei verhindert jede Diskussion über Innovation.

Eines vorweg: In meinen Augen ist das ein Konflikt nicht zwischen Generationen, sondern zwischen Weltbildern. Auf der einen Seite die «früher war alles gut und dann kam dieses Internet» und auf der anderen Seite die Leute, die das Beste aus den neuen Technologien rausholen wollen. Wie man unschwer herauslesen kann, zähle ich mich zu Letzteren.

Reden wir über Geld

Das mach ich zwar nicht so gerne – ich bin schliesslich kein Ökonom. Aber auch als Technikoptimist muss ich natürlich zugeben:

Bis heute weiss niemand, wie man im Internet mit Journalismus Geld verdient.

Das ist ein Problem, für das ich auch keine Lösung bereithabe, sonst wär ich wohl längst reich. Im Zeitalter, in dem jede Firma ihre Kunden ganz direkt ansprechen kann, werden die Werbeeinnahmen wohl nie wieder steigen. Aber vielleicht hat das ja dereinst auch sein Gutes, wenn wir nicht mehr von Werbekunden abhängig sind.

Jemand hat mal zu mir gesagt: «Das Einnahmenproblem, vor dem wir heute stehn, haben wir uns damals eingebrockt, als wir das erste Mal Werbung verkauft haben, statt für unser eigentliches Produkt, Information, den wahren Wert zu verlangen.» Ein anregender Gedanke.

Technik macht alles besser

Und das meine ich (fast) ernst: Ich kann mir heute die gewünschten Inhalte

  • wann ich will,
  • wo ich will,
  • auf dem Gerät, auf dem ich will,
  • so lange ich will,
  • so oft ich will

anschauen und/oder anhören. Und niemand möchte je wieder auf dieses Angebot verzichten.

Besser als je zuvor kann ich mein Medienangebot meinen Interessen und Vorlieben anpassen. Das ist geil! Und es hat eine Konsequenz:

Der Nachrichtenkonsum war insgesamt noch nie so hoch wie heute.

Das entspricht meinem subjektiven Eindruck und Studien deuten in diese Richtung.

Dazu kommt: Die Technik bietet neue Wege, komplexe Sachverhalte zu reduzieren und zu erklären. Neue Erzählformen, animierte Infografik,… you name it. Mach sowas zum Beispiel mal auf Print. Unmöglich.

Demokratie pur

Das Mediensystem war noch nie so demokratisch und durchlässig wie heute. Und das finde ich gut so. Noch vor 10 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ich mit einer Ausrüstung von ca. 3’000.– eine eigene grosse Reportage allein umsetzen und veröffentlichen kann.

Ein Laptop, eine Kamera, ein Schnittprogramm – oder zur Not auch ein Smartphone und iMovie. Noch nie war es so erschwinglich, Inhalte selbst zu produzieren und sie zu gratis (via Youtube oder soziale Netzwerke) verbreiten.

Wer angesichts dessen noch von mangelnder Vielfalt in den Medien spricht, verkennt etwas.

Social Networks

Im Zeitalter sozialer Netzwerke ist die Welt vernetzter geworden – jeder hat sein eigenes Publikum

Aber klar – die Medien haben nicht mehr die Gatekeeper-Funktion, die sie früher hatten. Das passt manchen Journalisten natürlich nicht.

Endlich Dialog statt Monolog

Dazu kommt, dass die Technik Interaktion ermöglicht. «Der Leser» ist dann eben nicht mehr nur der Leser, sondern auch Kommentierer und Beitragender. Viele Leute haben eine grosse Expertise in einem gewissen Gebiet – wer es in Zukunft schafft, dieses Wissen gezielt zu nutzen, wird Erfolg haben (und die Leute teilen ihr wissen gern – siehe wikipedia).

Ok, Trolle nerven mich extrem, aber mal ehrlich: Endlich muss man als Journalist nicht mehr raten, was die Leute über die Inhalte denken, die man produziert – sie können es einem sagen.

Und genau darum bitte ich! Kommentiert, diskutiert! Das mag jetzt etwas sehr rosabrillig daherkommen, aber irgendjemand muss ja mal eine Gegenposition zu diesen Schwarzmalern einnehmen.